Stürmische (Schreib)Zeiten

Darf ich vorstellen? Dort hinten, das ist Elon. Und der hier vorne, momentan extrem aktiv, heißt Felix. Das sind zwei höllisch windige Gesellen. Während Elon schon etwas außer Atem ist, lässt Felix noch seine Muskeln spielen. Hauptsache er hat sich auch bald ausgetobt…

Es stürmt in Deutschland. Ein Orkan folgt dem Nächsten und der Wetterdienst geht fleißig das ABC für seine Namenswahl durch. Mein Gewächshaus im Garten hat entsprechend gelitten. Zwar hat das Fundament das Grundgerüst fest im Griff, doch sind die Glasscheiben heute über das gesamte Grundstück verteilt worden.

“Ähhhh…”

Nein, du bist nicht auf dem falschen Blog. Aber du fragst dich mit Sicherheit, was hat das denn mit dem Schreiben zu tun?

Eines Tages fasst man einen Entschluss. Man fängt an zu planen, besorgt die nötigen Materialien und legt los. Genauso habe ich es vergangenen Sommer mit meinem Gewächshaus getan. Ich musste viel Denkarbeit investieren (eine Aufbauanleitung, die ihren Namen nicht verdient), bevor das Objekt der Begierde fertig vor mir stand.
Dann habe ich das Projekt ruhen lassen. Und wer kommt jetzt vorbei und zeigt mir die ganzen Schwachstellen?

Die Test(b)leser [sic!]

Viel Zeit habe ich investiert und mein Roman war schließlich fertig geschrieben. Nach einer Reifezeit habe ich ihn nochmal überarbeitet. Dann habe ich ihn meinen Testlesern gegeben. Erinnerst du dich? Genau, in die Hände von Elon und Felix. Und die haben exakt das getan, was auch der Orkan mit meinem Gewächshaus angestellt hat. Mir die Stellen gezeigt, wo es hakt, wo es nicht stimmig ist, wo es unverständlich ist. Sie haben an den Schwachstellen angesetzt, und dann lagen die Kapitel wie ein Scherbenhaufen vor mir. Rote Kringel, grüne Kreise, blaue Kästchen, … Testleser können diesbezüglich sehr kreativ sein.

Und was jetzt? Gebe ich auf? Entsorge ich den Roman?
Nein!
Das Grundgerüst meines Romans steht ja noch. Jetzt heißt es die Scherben einzusammeln, den Orkan abzuwarten, um dann neue, bessere Kapitel einzusetzen. Wenn ich damit fertig bin, dann kommt der nächste Sturm. Aber vielleicht wird es auch nur eine leichte Sommerbrise.

Eine Antwort auf „Stürmische (Schreib)Zeiten“

  1. Ja, mit Testlesern ist es immer so ‘ne Sache. Es ist für den Autoren sehr schwierig, zwischen der Kritik am Handwerklichen und falschem (ich nenne es mal) Einfluss des Testlesers am Werk zu unterscheiden. Manchmal darf man dem Testleser nicht soweit entgegen kommen, dass man sein Werk verrät oder den Charakter seiner Arbeit zu stark verändert. Schließlich ist man selbst der Autor und der Testleser eben “nur” Leser.

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